Buchcover – Ein kleiner Exkurs

Über Schnörkel, Glitter und Spinatsuppe

Heute starten wir einen kleinen Exkurs zum Thema Buchcover. Wie bereits am Autorensonntag vom 14. Juni 2020 angedeutet, möchte ich diesen Beitrag dazu nutzen, euch etwas tiefere Einblicke in die Welt der Covergestaltung zu geben und dabei die verschiedenen Blickwinkel von Autoren, Grafikern sowie Verlagen zu beleuchten. Bitte beachtet: Dies ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum perfekten Buchcover, sondern soll eher dazu dienen, euch einen Überblick über den Prozess der Konzeptionierung, Zielgruppenmarketing sowie die Realisierung ZU bieten und ein paar Mythen und Hintergründe aufZUdecken. Ich hoffe, dass ich hiermit angehenden Autoren den „Sprung ins kalte Wasser“ der Verlagswelt ersparen und gleichzeitig etablierten Autoren (sowohl im Verlag als auch SP) ein paar hilfreiche Tipps geben kann.

Das Cover zu meinem Debüt
„Ewig und Du“

Der Einstieg – oder: Reality-Check ahoi!

Um meine Position besser verständlich zu machen, gibt es jetzt erst etwas Hintergrundwissen über mich. Wie ihr wisst, bin ich Grafikdesignerin und arbeite seit 2018 regelmäßig an Buchcovern. Dazu habe ich ein bisschen Marketing-/Vertriebshintergrund aus dem Studium und ich bin – man glaubt es kaum –, auch selbst Autorin, sowohl im SP als auch bei Verlagen. Entsprechend kenne ich alle Seiten der Geschichte relativ gut.

Meine Anfänge als Autorin hatte ich beim Carlsen Verlag bzw. dem digitalen Imprint Impress. Und ehrlich – beim Cover meines Debüts Ewig und Du hätte es mich nicht besser treffen können. Von dem Titel war ich leider kein Fan. Für mich ging die humoristische Note des Buches sehr verloren. Aber das Cover, gezaubert von Laura Newman, war ein echter Hingucker und ich war gleich verliebt, obwohl es nicht ganz das war, was ich mir vorgestellt hatte.

Bei meiner Wasteland-Reihe gab es dann allerdings einen harten Dämpfer. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass es das ist, was es ist, aber besonders beim ersten Entwurf hatte ich mit den Tränen zu kämpfen. Stichwort: Spinatsuppe. Ich war geschockt. Das Model war meine eigene Wahl – also war das okay. Aber grün? Obwohl es doch im Buch heißt, dass Lys, die Protagonistin, noch nie richtiges Grün in der Welt gesehen hat? Dazu ein Mond (der mittlerweile zu einer Sonnenfinsternis geworden ist, immerhin), der nichts mit der Story zu tun hat. Plus die Optik im Allgemeinen, unabhängig von der Storytreue – kurz gesagt, einfach MEH.

Laut Vertrag hat in diesem Fall der Verlag das letzte Wort, dementsprechend musste ich mich dem fügen. Warum das aber trotz alldem nicht immer schlecht ist, dazu jetzt.

Das erste Cover der „Wasteland“-Reihe

Erwartungen

Fangen wir mit euren Erwartungen an: Wohin wollt ihr als Autor*in? Wollt ihr einfach schreiben, eure Herzensbücher veröffentlichen und euer Werk in die Welt tragen – dann Glückwunsch: Ihr seid frei von jedweden Konventionen, Regeln und Kapitalismus. Macht euer Ding, seid stolz drauf und überspringt den folgenden Absatz am besten!

Alle anderen, die den Erfolg im Blick haben (oder sich zumindest durch ihr Schreiben was dazuverdienen wollen), kommen um das Thema Marketing nicht herum. Hierbei ist das Buchcover eines der stärksten Instrumente und sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Daher rate ich euch an dieser Stelle: Lasst lieber einen Profi ran!

Anmerkung: Das eine schließt das andere selbstverständlich nicht aus. Ihr könnt euer Ding durchziehen und trotzdem erfolgreich sein. Aber erfahrungsgemäß geht es ein wenig leichter, wenn man weiß, wie sich die Buchwelt dreht.

Zurück aber zur Zielgruppe, denn die ist das A und O. Wollt ihr erfolgreich veröffentlichen, geht es beim Buchcover in erster Linie nicht darum, ob es 100% zur Geschichte passt, sondern darum, dass es eure Zielgruppe anspricht. Und hier wird es tricky, denn natürlich sollte man zusätzlich die Geschichte dahinter sehen können. Gleichzeitig sollten Leser aber auch auf den ersten Blick erkennen können, was sie in der Geschichte erwartet. Und ansprechend aussehen muss das Ganze auch noch.

Steht für euch die Leidenschaft am Schreiben im Vordergrund, habt ihr freie Hand.

Zielgruppe

Ihr als Autor*in kennt eure Story in- und auswendig. Ihr wisst, wie die Charaktere aussehen, habt Symbole im Kopf, Szenen, Locations. Der Verlag wiederum kennt die Zielgruppe. Und zwar nicht nur die für eure Story, sondern auch die eigenen „Stammkunden“.

Die Zielgruppe hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Genre, dem Alter der Protagonisten, den behandelten Themen, dem Ton der Geschichte usw. Der Verlag weiß um diese Faktoren und im Idealfall auch, wo und wie ein Titel entsprechend platziert werden muss. Als Autor*in – gerade beim Debüt – fällt es einem oft schwer, diese rein wirtschaftlichen Faktoren aus der Distanz zu betrachten, weshalb ich euch nur empfehlen kann, euch in dieser Hinsicht auf den Verlag zu verlassen, und falls doch Bedenken bestehen, diese offen zu kommunizieren.

Immer mehr Verlage berücksichtigen inzwischen Wünsche, Vorschläge und Kritik vonseiten der Autoren, aber für den Erfolg eines Titels steht klar im Vordergrund, dass potenzielle Leser sich auf den ersten Blick angesprochen fühlen sollen.

Zum Beispiel sind die Buchcover des LYX-Verlags allgemein sehr beliebt, weil sie durch schlichte Eleganz überzeugen. Aber mehr noch sind sie ein Paradebeispiel, was Erwartungshaltungen betrifft: Pastelltöne oder Texturhintergrund mit klarer Typografie = New Adult. Als Leser dieses Genres sieht man zuerst das Motiv, ohne den Titel zu lesen, und weiß sofort, dass das Buch interessant sein könnte.

Pastell, schlichter Hintergrund, starke Typo – und trotzdem weiß man bei LYX, was man bekommt.

Stille Post für Grafiker

Hier kommen nun meine Kollegen und ich ins Spiel. Unser Job ist es, die Vorstellungen von Autoren und Verlagen in einem ansprechenden Motiv zu vereinen, was oft ein ganz schöner Balanceakt ist. Zudem liegt uns in der Regel kein ganzes Manuskript vor – ganz selten mal ein Exposé. Stattdessen gibt es einen kurzen Pitch, Keywörter, ein paar Ideen oder Wünsche zu Motiv und Stil sowie ein paar Referenzcover. Das war‘s.

Direkten Kontakt zum Autor * der Autorin gibt es in der Regel auch nur bei kleineren Verlagen. Konkret kenne ich das z.B. vom Wreaders Verlag. Was jetzt für mich als Grafiker angenehmer ist, hängt ein wenig vom Kunden ab. Aber solange die Kommunikation stimmt, ist mir beides sehr willkommen.

„Vielleicht etwas in Richtung Panem?“

Realisierbarkeit und Budget

Neben diesem Quasi-Stille-Post-Spiel existieren aber auch noch zwei ganz andere Aspekte: Stockfotos und Realisierbarkeit. Das fängt schon beim Budget an. Ein Stockfoto kann im Einkauf bis zu 10€ kosten. Braucht man davon 3-5 Stück pro Cover (ggf. sogar mehr) bei einem Coverpreis von 200€, macht das 150€, die davon übrigbleiben. Diese müssen natürlich versteuert werden, zuzüglich weiterer Abzüge – und wusstet ihr schon, dass Photoshop und Illustrator monatlich 60€ kosten und ein guter PC sogar weit über 1000€? Rechnet das alles mit ein und dann auf die Stunde runter (ein Cover kann zwischen 2 und 12 Stunden Arbeit bedeuten), und auf einmal sitzt ihr da und weint.

Nein! Wenn es nicht rentabel wäre, würde ich es natürlich gar nicht erst anbieten. Was ich mit dieser Rechnung festhalten will, sind zwei Punkte:

Erstens: 200€ für ein Cover sind nicht super viel. Vor allem wenn man nach Wunsch arbeitet.

Zweitens: Habt Verständnis, wenn ein Buchcover keine 1000 Elemente enthalten kann oder euch keine fünf verschiedenen Motive zur Auswahl vorliegen.

7 Stockfotos
>10h Arbeit

Optik

Nach all dem Gelaber über Budget und Marketing kommen wir mal zum spaßigen Teil, nämlich der Optik. Denn auch wenn es gewisse Dinge zu beachten gibt, sind Buchcover vor allem dazu da, um ins Auge zu fallen und im Idealfall angehimmelt zu werden. Doch auch hier gibt es ein paar Kleinigkeiten zu berücksichtigen:

Corporate Design: Große Verlage haben ihr Logo, und das muss oft an einer genau festgelegten Stelle platziert werden sowie eine bestimmte Farbe haben. Nicht die Welt, aber manchmal kann das schon im Weg sein.

Kontrast: Kontraste sind super, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Gerade Komplementärkontraste wie Blau und Orange sind unheimlich beliebt und fallen sofort ins Auge.

Lesbarkeit: Mein letzter großer Punkt – ich schwöre es! Denn nichts stellt mir die Nackenhaare mehr auf, als wenn ich eine*n Autor*in nach Schriftwünschen frage und zur Antwort „Was mit Schnörkeln“ bekomme. Ganz ohne muss es natürlich nicht sein, aber habt Verständnis, das gerade bei komplexeren Hintergründen eine starke, schlichte Typografie einfach besser geeignet ist. Euer Buch wird in der Regel am ehesten über Amazon gekauft. Wenn ihr dort stöbert, wie groß sind die Cover am Ende? – Genau. Entsprechend betone ich das Ganze immer wieder. Vermeidet zu feine, komplexe Schriftarten beim Titel. Euer Werk kann nur dann wiedererkannt werden, wenn der Titel auch lesbar ist. Das gleich gilt auch für euren Namen.

Zumindest die „Main“-Typografie sollte immer gut lesbar sein!

Fazit

Wie ihr seht, steckt weit mehr hinter einem Cover, als man als Autor vermutet, und die Kompromissfindung ist oft ein bisschen wie Mikadospielen. Mir ist es in diesem Beitrag vor allem wichtig, ein wenig Transparenz zu schaffen und zu zeigen, was sich hinter den Kulissen so alles tut. Ich hoffe, ihr habt nun etwas mehr Verständnis, wieso Verlage manchmal sagen „Wir machen das so!“ und warum auch ein Designer mal auf die Bremse treten muss.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr euch zum willenlosen Kommerzsubjekt machen lassen müsst. Wenn ihr Bedenken, Wünsche und bestimmte Vorstellungen habt, kommuniziert diese. Gerade falls ihr neu bei einem Verlag seid, traut euch früh genug, nach Buchcover und Marketing zu fragen, herauszufinden, wie die Prozesse ablaufen. Und wenn das Cover da ist, holt euch eine neutrale und bestenfalls erfahrene Meinung dazu.

Meldet euch auch immer gerne bei mir, falls ihr Fragen habt.

Over and Out!

A/N: Die Bildrechte bei allen gezeigten Covern liegen bei den jeweiligen Verlagen, bzw. Selfpublishing-Autoren. Bis auf „Wenn Donner und Licht sich berühren“ aus dem LYX Verlag, sowie „Ewig und Du“ und „Wasteland: Zeit des Neubeginns“ sind alle von mir gestaltet.